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Donnerstag Dezember 8, 2022
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Dakar Legends Trail: durch die Westsahara

Noch einmal nach Dakar fahren. Dieses Ziel hatten wir bereits vor Augen, seit wir 2011 zum ersten Mal in die senegalesische Hauptstadt gefahren waren, um den Spuren der ursprünglichen Rallye Dakar zu folgen. Der Plan war einfach: alle 10 Jahre die Strecke noch einmal zurücklegen. Während ich diese Zeilen schreibe, scheint es eine halbe Ewigkeit zu dauern, ein weiteres Jahrzehnt zu warten, um endlich nach Dakar zurückzukehren. Übrigens ist die Anzahl der Male, die man diese Traumreise machen kann, bei nur einer Chance pro Jahrzehnt ziemlich begrenzt. Dies ist Teil zwei von The Dakar Legends Trail!

Im Rausch der Wüste

Durch die Wüste zu fahren, wirkt berauschend und beruhigend zugleich. Die körperliche Erschöpfung, die man danach verspürt, wird von der mentalen Ruhe, die man auf den afrikanischen Pisten findet, in den Schatten gestellt. Die Fahrt nach Dakar lässt sich grob in vier Hauptabschnitte unterteilen werden. Der europäische Abschnitt ist nicht viel mehr als ein Warm-up und für diejenigen, die sich für die Fahrt auf der Autobahn entscheiden, ist er fast schon eine Zeitverschwendung. Außerdem müssen in Afrika die Reifen gewechselt werden. Stollenreifen und Autobahnen … das war noch nie eine gute Kombination.

Teil zwei dieser Reise ist das genaue Gegenteil. Marokko ist atemberaubend schön und ein Paradies für Offroad-Fahrer und Abenteurer. Selbst wer den Asphalt nur selten – wenn überhaupt – verlässt, wird vom schroffen Atlasgebirges, der erhabenen Sahara und der wilden Schönheit der Atlantikküste beeindruckt sein.

Dann kommt Teil drei: Sobald man Agadir hinter sich gelassen hat, geht es im Grunde in einer geraden Linie gen Süden. Die Westsahara und Mauretanien sind fast 2500 km Geduld. Auch wenn man auf einem Motorrad unterwegs ist, denn die Landschaft hinter Agadir verändert sich erst wenige Kilometer vor der senegalesischen Grenze. Und diese Landschaftsabwechslung ist kein fließender Übergang, sondern lässt sich an einem klaren Punkt ausmachen: Plötzlich steht da ein Baum in der Wüste. Und dann noch einer. Und dann ganz viele. Und auf einmal erreicht man das Ufer des Senegal-Flusses und den Grenzposten von Rosso.

Spektakuläre XT, beeindruckende Bridgestone AX41

Aber wir wollen nicht vorgreifen. So weit waren wir noch nicht. Wer den vorherigen Teil dieser Geschichte gelesen hat, weiß, dass wir mit überraschend wenig Schwierigkeiten in Agadir angekommen sind. Wir wussten nicht, was wir von einer 42 Jahre alten Yamaha XT500 erwarten durften, die eine heiße Wüste durchquert. Doch der Motor ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, weder bei extremen Temperaturen von weit über 40 Grad noch bei langen Verbindungsstrecken, auf denen der große Einzylinder mit konstanten 100 Stundenkilometern über den Asphalt donnern musste.

Die tolle Leistung der Bridgestone AX41 hat uns sehr geholfen. Der Reifen ist großartig auf der Straße und hervorragend im Geländeeinsatz. Wir waren von dem geringen Verschleiß dieses Stollenreifens wirklich sehr überrascht.

Doch so gut die XT auch abgeschnitten hat, lange Asphaltstrecken sind nicht gerade ihr Ding. Auf den Offroad-Strecken fühlte sich der Nachkomme des ersten Dakar-Siegers eindeutig wohler. Doch um mit der XT500 reibungslos über Steigungen zu jagen, muss man seine modernen Offroad-Techniken über Bord werfen.

Alte Techniken

Das Motorrad ist so klein, dass im Stehen Fahren immer eine schlechte Idee ist. Für den Rücken, für die Beine und weil es einen einfach schlaucht. Während man sich auf einem modernen Adventure- oder Offroad-Motorrad im Stehen etwas entspannen kann, ist das bei der XT ein Ding der Unmöglichkeit. Vor allem, wenn man mit der Originalfederung fährt. Dann durchquert man die Wüste quasi mit dem Federweg eines Skateboards. Man lernt, sich so viel wie möglich hinzusetzen und nur dann aus dem Sattel aufzustehen, wenn es wirklich sein muss. Doch der Sattel bringt noch einen weiteren Vorteil mit sich: Das dicke Sitzpolster hilft dabei, einen Teil der Stöße abzufedern. Kein Wunder also, dass die Fahrer auf den meisten alten Dakar-Fotos sitzen.

In einer geraden Linie

Nachdem wir Agadir hinter uns gelassen hatten, entschieden wir uns dazu, möglichst auf den wunderbaren Sandwegen zu bleiben, die einen über Sidi Ifni nach Plage Blanche führen. Aus Richtung Guelmin kommend ist der namhafte und wahrlich beeindruckende Strand fast schon ein Pflichtstopp. Die Straße nach Dakar verläuft weiter in Richtung El Layoun und Dakhla. Hier gibt es nicht so viele Offroad-Strecken, dafür aber eine lange, kurvenreiche Straße.

Wer darauf wetten will, dass hinter den Felsen keine Polizisten mit Radarpistolen auf einen warten, kann mit 160 km/h ganz ungehindert Richtung Süden brettern. Nun, auf der modernen Yamaha T7 ist das jedenfalls kein Problem. Die XT hingegen ist kein Fan hoher Geschwindigkeiten. Die Ténéré 700 stellt unter Beweis, dass das Fahren mit einem Adventure-Bike auch reisen und viele Kilometer zurücklegen heißt. Während wir im marokkanischen Streckenabschnitt auf der XT hin und wieder mit der Ténéré 700 mithalten konnten, war es damit ab der Einfahrt in die Westsahara endgültig vorbei.

Gesangstalente

Beim Kilometerabspulen schneiden die Ténéré 700 und die Bridgestone AT41 überraschend gut ab, die XT500 hingegen erwartungsgemäß schlecht. Sie ist einfach kein Bike für lange Autobahnen. Auch nicht für die kurzen. Aber das gehörte zum Spiel dazu und die Herausforderung bestand je genau darin, dieses Abenteuer mit diesem Motorrad zu bestreiten.

Ach ja, und das Singen im Helm hilft. Ich habe keine Ahnung, wie oft wir „Turn The Page“ von Metallica (oder viel mehr Bob Seger) in unseren Helm geträllert haben. „On a long and lonesome highway, east of Omaha…“ und „On a road to nowhere“ von den Talking Heads haben wir genauso gut etliche Male zum Besten gegeben. Es ist übrigens ziemlich nervig, wenn einem nicht mehr der ganze Text einfällt und man Teile des Songs summen muss. Aber es hilft dabei, die Kilometer herunterzufahren.

Hallo Dakhla

Die Fahrt zwischen Tan Tan und Dakhla ist die längste und anstrengendste der gesamten Dakar-Route. Es gibt nicht sonderlich viele Haltestellen und die Strecke ist sehr einfach zu fahren und entsprechend langweilig. Das Zählen von Kilometern ist Teil dieser Reise und man weiß einfach, dass man da jetzt durch muss. Aber es ist trotzdem kein Kindergeburtstag. Sobald man Dakhla dann endlich erreicht, hat man all die Strapazen schon fast wieder vergessen. Nicht so sehr wegen der Stadt an sich, sondern vielmehr wegen der Landschaft drumherum.

Dakhla liegt auf einer Halbinsel und das flache Wasser rundherum zieht Surfer aus aller Welt an. Da man den Surfern diese langweilige Strecke gar nicht erst zumuten will, hat Dakhla einen Flughafen. Infolge der Covid-Pandemie gibt es in den flachen Gewässern der Westsahara deutlich weniger Windsurfer als zuvor, doch der Anblick ist immer noch faszinierend. Fast 1000 km nichts als Sand und Felsen und dann plötzlich bunte Segel und Kites. Doch das ist noch nicht das Beste an Dakhla. Etwas außerhalb der Stadt befindet sich eine fast buchstäblich außerirdische Landschaft. Manchmal überkommt einen das Gefühl, man würde auf dem Mond fahren. Auffallend weißer Sand, viele harte Passagen, verrückte Felsformationen… Es ist ein seltsames Fleckchen Erde, gleich außerhalb der letzten Stadt vor der mauretanischen Grenze.

Minus-Fünf-Sterne-Hotel

Doch aufgepasst! Auch wenn dies die letzte größere Stadt vor der Grenze ist, ist man in Dakhla noch nicht einmal in der Nähe der Grenze. Bis zum beeindruckenden Grenzposten zu Mauretanien sind es noch 350 km. Zwischen dem marokkanischen Teil und dem mauretanischen Posten befindet sich ein 5 km langer Streifen, der als Niemandsland bekannt ist. Die Grenzen der beiden Länder berühren sich dort nicht. Es gibt Pläne, dieses viel diskutierte Fleckchen Erde, das alle für sich beanspruchen, abzuschaffen und die Grenzen wie fast überall auf der Welt einfach zu verbinden. Doch so weit sind wir noch nicht. Und wie sich herausstellte: In Dakar waren wir auch noch nicht.

Den marokkanischen Grenzposten lernten wir schließlich besser kennen, als uns lieb war. Das liegt daran, dass wir vier Tage dort feststeckten. Schlimmer als die Tage waren die Nächte, die wir im einzigen Hotel der Gegend verbrachten. Stellen Sie sich ein schmuddeliges Gebäude mit Holzbänken und allen möglichen Nagetieren vor, die jede Nacht durch Ihr Zimmer und über Ihre stinkende Decke krabbeln. Naja, das war immer noch besser als ein Aufenthalt im Minus-Fünf-Sterne-Hotel nahe der Grenze. Der Grund für die Verzögerung? Faule Ausreden und eine seltsame marokkanische Grenzpolitik.

Kafkaeske Zustände

Zuerst hieß es, auf unseren Zollpapieren fehle ein Stempel. Verrückt, denn als die Fähre in Tanger ankam, wurde alles schön abgestempelt. Das Gezanke und Warten dauerte etwas mehr als einen Tag und eine besonders lange Nacht. Endlich erreichte uns die Nachricht, dass die Zollbehörde in Dakhla uns den nötigen Stempel geben könne. Ja, Dakhla, das fast 350 km von der Grenze entfernt ist. Also fuhren wir zurück nach Dakhla, nur um zu erfahren, dass alle unsere Papiere in Ordnung waren. Also begaben wir uns zurück zur Grenze – nicht ohne eine Nacht in einem richtigen Bett zu schlafen – wo man uns mitteilte, auch wenn man es kaum glauben mag, dass diesmal ein Dokument fehle. Ja, und wieder zurück nach Dakhla, wo uns erneut bestätigt wurde, dass alle unsere Papiere in Ordnung waren. Also fuhren wir noch einmal 350 km zurück zur Grenze, wo wir dem Zollbeamten einen Betrag anboten, für den er mehr als ein halbes Jahr hätte arbeiten müssen (Zollbeamte verdienen dort etwa 150 Euro im Monat). Sogleich versprach man uns, unseren Van – mit den Motorrädern darin – über die Grenze zu bringen. Denn dann war es schließlich ein Transport und keine Reise. Gemeint sind ein Fahrer, der Lieferwagen und die beiden Motorräder. Nicht so, wie wir es geplant hatten, doch wie es schien, war dies die einzige Möglichkeit, in den Senegal zu gelangen.

Gespannt auf die dritte Folge? Dann behalten Sie unsere Social-Media-Plattformen und unsere Gripping Stories im Auge! 

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